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Von Schwärmereien und neuen Zuhausen

Carnica im Maulbeerbaum Ein Schwarm Kärntner Bienen nahm sich unseren Maulbeerbaum als Aussichtspunkt, um eine neue Bleibe zu finden.

Heute Mittag wollte ich unseren Bokashi-Eimer überprüfen. Als ich auf unsere Veranda trat, um zu Kompost und Bokashi zu gelangen, vernahm ich ein lautes Surren und Brummen in der Luft. Ein Blick in Richtung unseres weißen Maulbeerbaumes verriet mir diese lärmige Unruhe: Der Himmel war voll Bienen und eine Bienentraube sammelte sich gerade an unserem mittelalten Maulbeerbaum. Einige Kundschafterinnen erkundeten die im Garten stehenden vollen Bienenkästen, ob diese für ein neues Zuhause geeignet wären. Leider waren diese schon bewohnt und die ungebetenen Gäste wurden von den Wächterinnen natürlich nicht in ihr zu Hause gelassen..

Also auf zum Schwarm einfangen: Im Keller lag noch eine alte Herrmann-Kiste. Die wurde flux geholt und mit vier Rähmchen bestückt. Während des Weges in den Keller überlegte ich mir, woher der Bienenschwarm kommen konnte. Meine Bienen dürften es nicht gewesen sein, da ich erst gestern durchgeschaut und keine verdächtigen Schwarmzellen gesehen hatte. Vor einem Jahr ungefähr hing schon einmal ein Schwarm in dem gleichen Baum. Der war auch nicht von mir. Könnte es dieses Mal wieder so sein?

Schwarmfang

Aber jetzt wieder zurück zum Saisongeschäft: In der Küche schnappte ich mir Holzlöffel, Doppelsprühflasche, in die ich vorher noch frisches kaltes Wasser gefüllt hatte und ging mit der Herrmann-Beute, dem Kochlöffel und der Sprühflasche bewaffnet in den Garten zum Schwarm. Ich hatte vor, mit dem Kochlöffel den Bienenschwarm einzuschlagen.

Gott sei dank hielten wir unsere Bäume klein, so dass der Schwarm ohne große Leiteraktionen erreichbar war.

Ich sprühte die äußeren Bienen des Schwarms mit reichlich Wasser ein und positionierte die Beute unterhalb der Bienentraube. Ich begutachtete nochmals die ganze Sache, korrigierte den Sitz der Beute so, dass der Schwarm wie ursprünglich gedacht nicht in die Beute hineingeschlagen, sondern hineingeschüttelt werden konnte. Ich zentrierte den Schwarm über der im Baum stehenden Beute, in dem ich den Ast mit der Bienentraube über die Beute bog und ...

...schüttelte. Wichtig beim Schwarmfang ist die Königin. Diese muss beim ersten Eintüten in die neue Behausung mit eingebürgert worden sein. Ist dies der Fall, folgt der ganze Schwarm. Ich hoffte, dass die Königin in die Beute gefallen war. Viele Bienen formierten sich wieder zur Traube, so dass ich das Runtergeschüttle zwei mal wiederholend machte. Danach nahm ich die Beute aus dem Baum und positionierte sie ziemlich genau unter dem Schüttelpunkt. Es formierte sich nun...

... wieder eine Traube. 

Mein Gott, wie viele Bienen mussten ausgezogen sein, dass sich eine Traube fünf mal neu formieren konnte, obwohl der größte Teil schon in der Beute war?

Diesmal holte ich einen Karton, machte zum hoffentlich letzten mal die Bienen nass und schüttelte diese dann in den Karton. Die Bienen wurden nach dem Kartonsturz vor das Flugloch des vermeintlich neuen Heimes geschüttelt.

Und Bingo, die große Menge der vor die Tür gesetzten Bienen fing an in Richtung Flugloch zu wandern. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich die Königin erwischt hatte. Der Abend wird es jedoch zeigen, ob ich recht behielt.

Neues zu Hause

Der Flugbetrieb ist ruhiger geworden. Einige Bienen weisen den Spätheimkommern den Weg in die neue Bude.

Nach ca. einer halben Stunde hatte sich der Flugverkehr beruhigt. Ich kontrollierte nochmals die Beute und siehe da, einige Bienen schwänzelten noch vor dem Loch herum um auch den letzten Heimkehrern den Weg zu zeigen. Der Großteil des Schwarms war jedoch in der Beute. Schwarm erfolgreich einlogiert.

Es war klar, dass bei einer solch großen Bienenmasse die vier Rähmchen nicht ausreichten. Zwar hat der Schwarm die Hälfte der Honigvorräte seines ursprünglichen Lagerkellers mitgenommen,, jedoch hat er nun die große Aufgabe die gesamten Mittelwände zu Waben auszubauen um flux an die Nachwuchsnachschafferei zu gehen. Um des großen Schwarms lötete ich noch ein paar Mittelwände ein und hängte insgesamt 8 Rähmchen in die Beute. 864 g Zuckerteig wurden ebenfalls in Papier gepackt, von oben eingeritzt und dem Schwarm als Willkommensgruß zur Verfügung gestellt.

Legt man den Zuckerteig einfach unverpackt in die Beute hat es zwei große Nachteile:

  1. die Bienen sinken bei der Aufnahme des Zuckerteiges in den selbigen ein und ertrinken förmlich in Zuckerpaste.
  2. ungebetene Gäste machen sich von unten an den Zuckerteig heran und nehmen sich ein Stück vom Kuchen.

Daher ist es besser, den Zuckerteig auf Packpapier zu legen, ihn in Beutenbodenhöhe platt zu machen und mit dem restlichen freien Packpapier zu umschließen. Um den Bienen dann Zugang zum Teig zu geben, ritzt man rautenförmig die Verpackung mit einem scharfen Messer ein. Ich nutzte dazu einen Cutter.

Kellerhaft

Da sich die Bienchen über den Tag nun schon bei ihrem neuen Standort unter dem Maulbeerbaum eingeflogen hatten und ich unter ihm die Beute nicht unbedingt stehen habe lassen wollen, nahm ich den Schwarm bei Einbruch der Nacht in Kellerhaft: mit Hilfe eines Wandergurtes wurde die Herrmannbeute mit dem integrierten Flugbrett  verschlossen und in den Keller verbracht. Das Volk verbleibt nun für zwei Nächte in kellerhaft und kommt dann an den Hausbienenstand.

Während der Kellerhaft haben die Bienen eigentlich keine Möglichkeit aus der Beute zu kommen. Daher müssen wir als Imker dafür sorgen, dass sie genügend Wasser zum Trinken und Kühlen haben. Morgens und Abends wird daher mit einem Wassersprüher ein wenig Wasser (2 bis 3 Hübe) von unten in die Beute gesprüht. Die feinen Wassertropfen werden dann von den Bienen aufgenommen.

Wir bleiben gespannt...

Nach der Kellerhaft und dem Verbringen an den Hausstand folgt die erste Durchschau. Ich bin mal gespannt, welche Königin mich dann erwartet: meine oder eine Fremde?

Fortsetzung folgt.... 

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Donnerstag, 13. Juni 2024
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